Der Dogo Argentino - Allgem. Informationen für den Einsteiger

Hallo, heute möchte ich mal über etwas schreiben über das ich hier noch nie geschrieben habe. Es geht um eine Hunde-Rasse, der ich selbst angehöre, ich bin nämlich ein Vertreter der einzigen anerkannten, aus Argentinien stammenden Hunde Rasse die es gibt. Also, ich bin ein reinrassiger Dogo Argentino. 

Nun werdet ihr Euch fragen ob nicht schon so viel über meine Rasse hier im Internet geschrieben wurde, ja und auch nein. Die meisten Artikel die ich bisher gefunden habe, waren sehr Theoretisch und meist von Leuten verfasst die ihr Wissen einzig und allein aus einem Buch bezogen haben. Als der erste Dogo Argentino importiert wurde, gab es schätzungsweise 100 Exemplare von dieser Rasse in ganz Europa. Lange Zeit bevor sich Hunde "VERMEHRER" aus Ost-Europa und dem Rest der Welt dieser wunderbaren Rasse widmeten um mit ihr Geld zu verdienen

So, nun aber mal zum eigentlichen Thema: 

Obwohl es sich beim Dogo Argentino in seiner heutigen Form um eine sehr junge Hunde-Rasse handelt, reicht sein Ursprung zurück bis ins 14. Jahrhundert. Schon Christoph Columbus führte bei seiner zweiten Fahrt in die neue Welt große Kriegshunde mit sich, aus denen sich um 1580 in der Stadt Cordoba die großrahmigen weißen Cordobeser Dogge (Perro de Pelea Cordobes) entwickelten. Die Aufgaben des Cordobeser, klammert man einmal die Verfolgung entflohener Sklaven aus, umfassten damals schon die Aufgaben wie sie dem heutigen modernen Dogo Argentino zu fällt. Die Jagd auf wehrhaftes Wild wie dem Jaguar, dem Puma, der Wildsau sowie dem von Europa nach Argentinien mitgebrachten Schwarzwild. Des Weiteren lag die Verwendung dieser Hunde beim Bewachen und Beschützen großer Haziendas, der Familie ihrer Besitzer, sowie leider auch diese Rasse der Missbrauch im Hundekampf nicht erspart wurde. Alle Vorteile wie ihre Kraft, ihre Angriffslust, ihr Wille zum Töten, ihre Unerschrockenheit sowie ihre Schmerzunempfindlichkeit die für die Jagd auf Puma & Co unentbehrlich waren haben sie leider auch interessant gemacht für den Hundekampf. Auf dieses dunkle Kapitel in der Geschichte dieser Hunde möchte ich hier aber nicht weiter eingehen. 

Der begeisterte Jäger und Arzt Dr. Antonio Nores Martines begann in den 1920er mit der planmäßigen Zucht eines großen Jagdhundes der die Vorteile des Cordobeser behalten sollte und diese mit den Vorteilen der in Europa beheimateten Jagdhunde verbindet. Denn es stellte sich heraus dass der Cordobeser und dessen Nachkommen für die schwierige Jagd in den riesigen Jagdgebieten der Pampa die erforderliche Schnelligkeit, Ausdauer, Gewandtheit sowie die Nasenleistung fehlte. Da in Europa die großen Hatzrüden ausgestorben waren fand er auf dem alten Kontinent nur eine Rasse die alle die gewünschten Eigenschaften mitbrachte ohne die alten Eigenschaften des Cordobeser zu verwässern. Nur der englische Bull Terrier kam in Frage, brachte er doch außerdem noch die richtige Farbe (weiß) mit. Warum weiß, das ist ganz einfach; man wollte einen Hund den man schon vom weiten durch seine Farbe auch im Unterholz vom Wild unterscheiden konnte, um nicht aus Versehen seinen eigenen Hund zu erschießen. Also hatte Dr. Martines als Ausgangsrassen den alten Cordobeser Doggenschlag und die englischen Bull Terrier. Gezielte Einkreuzungen der Deutschen Dogge, dem englischen Pointer, dem Irish Wolfshound, dem Bulldog, der Bordeaux- Dogge, Spanischer Mastin, Pyrenäenmastiff und dem Boxer sollten die Rasse verbessern und sie ans gewünschten Ziel bringen. 



Das Ergebnis; war ein weißer übermittel großer Jagdhund, der bei einer Größe von 60 -68 cm Schulterhöhe, ein Gewicht von ca. 45 -50 kg. haben sollte. 
Da Herr Dr. Martinez immer die Jagd und nie die in Europa so beliebte Ausstellungen im Auge hatte, war es eigentlich nie geplant eine Größen oder Gewichts Begrenzung im Standard fest zu schreiben. Herr Dr. Martinez und auch alle seine Wegbegleiter hatten, was Zuchtverwendung oder Ausscheiden einzelner Hunde anging, eher die Gebrauchsfähigkeit bei der Jagd endscheiden lassen. Erst als die FCI (der Welt Dachverband für Rasse Hunde und dessen Zucht) bei der Anerkennung des Standards auf die Größen und Gewichts Angaben bestand wurde dieses nachträglich im Standard fest geschrieben. 

Hier nun eine kurze Zusammenfassung des Standard von 1999
(2001 und 2006 nochmals überarbeiten***) (Quelle Herr Mag. Dr. Dr. O. Schimpf) 

Der Dogo Argentino ist der einzige Jagdhund der aus Südamerika kommt. Er ist wohl vielfach einsetzbar, in erster Linie jedoch für die Jagd auf Großwild geschaffen. Diese Art der Jagd ist freilich in Europa verboten. Im Rahmen der neuen Zucht muss der Dogo Argentino frei von aggressivem Verhalten sein. Er ist besonders kinderfreundlich, braucht viel Platz bzw. genügend Zeit für Bewegungsmöglichkeit. 

Im, das Rasseaussehen festgeschriebenen, Standard aus 1999 (FCI-Standard) ist er in der FCI - Gruppe 2 eingereiht: Charakteristisch ist sein kräftiger Kopf mit guter Schnauzen länge, einem kräftigen, vollständigen Gebiss und kupierten oder auch hängend getragenen Ohren. Der Dogo Argentino ist eher lang und nicht, wie manche Rassen, im Körperbau quadratisch. Er verfügt über kräftige Knochen, eine lange Rute und hat ein rein weißes, kurzes Haarkleid. Insgesamt bietet er eine athletische Erscheinung bei mittlerer Größe (Rüden bis maximal 68 cm Schulterhöhe). 

Dieses Hickhack um Größe und Gewicht sorgt bis heute dafür, dass das Aussehen der einzelnen Hunde sehr unterschiedlich ausfallen kann. Die meisten Hunde aus Deutscher Zucht sind sehr klein und eher leicht, was beim echten Kenner (so wie auch bei uns) eher belächelt wird. Hier hat sich leider der persönliche Geschmack eines Mannes durchgesetzt der durch geschickte Politik über Jahre im Deutschen Dogo Argentino Club das sagen hatte. 
Wir züchten nicht den Deutschen Dogo Argentino, sondern wir züchten den Dogo Argentino. Und wenn man sich einmal vorstellt dass ein guter Dogo bei der Jagd in Argentinien eine Sau von über 200 Kg halten muss dann möchten wir gerne sehen, wie ein Hund aus Deutscher Zucht mit seinen 30 - 35 Kg. dieses anstellen will. 

Anderseits kamen in den letzten Jahren Hunde auf dem Markt die mit Schulderhöhen über 75 cm. eher einer Deutschen Dogge gleichen. Hier haben sich Hunde-"VERMEHRER" aus dem Ostblock und leider auch vereinzelt aus Argentinien dem Markt angepasst. Getreu dem Motto; großer Hund = Teurer Hund. Ausstellung- Richter in ganz Europa haben ihr übriges dazu getan, haben sie doch in den letzten Jahren sehr große Hunde auf Ausstellungen bevorzugt. Um diesen Übertreibungen einhalt zu gewähren hat die FCI, gegen den Wiederstand der Argentinischen Zuchtverband (***2006 die Schulterhöhe auf 68 cm. Begrenzt). 

Wir denken; Gesundheit, Intelligenz, Leistungsfähigkeit- erst dann - Schönheit ist die richtige Priorität und niemals "AUF KEINEN FALL" sollte sich die Zucht einer Rasse nach dem jeweiligen und wechselnden Geschmack einiger Geschäftemacher richten. 

Zusammenfassend wollen wir noch abseits der Geschichte und des Rasse-Standards dieser wundervollen Rasse, einige unserer ganz privaten Erfahrungen mit dem Dogo Argentino kund tun: 
Der moderne Dogo Argentino ist ein hervorragender Familien Hund dessen einzige Kämpfe heute darin bestehen schneller ins Bett zu kommen als Herrchen und Frauchen. Der Dogo, so hart wie er auch sein kann, ist im Familien Verband sogar ein richtiges Sensibelchen. Die Rasse ist insgesamt sehr unkompliziert und stellt nicht viele Ansprüche. Auch beim Futter bevorzugen wir eher hochwertiges als Tischabfälle. Also kurz um, wir sind einfach klasse! 

Aber wo viel Licht da ist auch Schatten

Wir möchten nicht verheimlichen das es auch ein paar sehr spezifische und rassetypische Probleme geben kann: 
Wie bei alle großen Rassen spielt auch bei uns die HD (Hüftgelenksdysplasie- Fehlentwicklung des Hüftgelenks) eine Rolle. 
Die weiße Fellfarbe geht hin und wieder mit Taubheit einher. 
Und wir neigen schon einmal dazu viele, viele unserer weißen Haare im ganzen Haus zu verteilen. 

Fazit: Ein schöner kraftvoller Hund mit einem weichen Kern.